Arbeiten mit der Transaktionsanalyse – Wie mein Garten mich in meiner Arbeit besser macht!

Ich habe mir 2016 einen eigenen Schrebergarten gegönnt. Ja, die Bilder zu Blumen, Seerose, Pflanzen und Ernte auf meiner Homepage kommen aus meinem Garten.

In der Transaktionsanalyse ist es wichtig seinen eigenen Sinnen und seiner Auffassungsgabe zu trauen. Für die Arbeit in neuen Firmen nennen wir die Fähigkeit sich in eine neue Umgebung einzudenken und zu fühlen Felderfassungskompetenz. Ich brauche kein Spezialist in der Branche oder dem Firmengeschehen zu sein, doch es ist unfassbar relevant gut zu zuhören und den Prozessablauf und die Kommunikationsketten schnell zu sehen und zu verstehen.

Allein das Wort FELD-Erfassungs-KOMPETENZ schreit ja schon nach Garten und Acker! In meinem ersten Garten war das ähnlich. Denn dieser stand schon seit mehreren Jahren leer und war ungenutzt. Es war zunächst also wichtig, dass ich mir alles erst einmal anschaue und erfasse, welche Möglichkeiten es hier gibt.

Ich erinnere mich an einen Freund (der Robert) der meine völlige Vorfreude zu meiner Errungenschaft überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Er stand völlig emotionslos in meinem Garten und meinte nur „mmhh, ja, also ich sehe hier nur Arbeit. Ich finde es aber immer wieder gut, dass du jetzt schon sieht, wie der Garten fertig aussehen wird und du mit dem Potenzial arbeiten kannst. Für mich wäre das nichts!“ Andere Anmerkungen waren auch: „Na, da kann man ne Bombe drauf schmeißen, aber mehr auch nicht!“ oder „Das kannst du dir nicht vorstellen, die hat sich nen Acker gekauft!“ Ja also die Fotos auf der rechten Seit zeigen, dass auf jeden Fall der Kern getroffen wurde. Es war viel zu tun.

 

In AIESEC-Sprache ist mein Garten mein Beitrag zu unserem Wert „acting sustainably“, denn ich habe mich gefragt, wie viel Essen kann ich selbst anbauen, damit ich weniger kaufen muss. Dies bedeutet meine Kosten zu senken und damit muss ich gleichzeitig auch weniger arbeiten. Win-Win für mich!

Weniger arbeiten war meine erste und wichtigste Motivation. Auch im Garten war dies meine Devise, daher habe ich mich zur Anlage einer Permakultur entschieden. Permanente Agrikultur bedeutet, dass Pflanzen in sich unterstützenden Paaren gepflanzt werden, als Mischkultur. Es gibt keine Reihen in meinem Garten, neben Erdbeeren finden sich Phlox und Gladiolen. Der Mais dient als Rankhilfe für Bohnen und Erbsen und dazwischen sitzen die Freilandgurken.

Die Kürbispflanze wirft Schatten auf die Tomaten und beide wachsen prächtig auf dem Mist vom regionalen Pferdehalter. Meine Komposthaufen sind gebaut aus 6 kleinen Paletten die nur mit 12 Schrauben zusammengehalten werden. Die Zauneidechsen lieben es für ihren Nestbau.

Meine Beete konnte ich nicht direkt in den Boden bringen, da mein Garten neben einem Ried liegt, das bedeutet, sehr hoher Grundwasserstand und vergleyter Boden, also bis 2018, danach war Dürre angesagt. Die erhöhten Beete aus den Palettenumrandungen, die vom Discounter weggeworfen wurden, sind trotzdem super, da ich beim Mulchen gute Abgrenzung zum Einbringen von Erde und Pferdemist habe und ganz entspannt 2-3x im Jahr drum rum mähen kann. Der Großteil meiner Pflanzen ist mehrjährig oder darf sich selbst aussähen vom Baumspinat bis zum Salat, den Radieschen und den Kräutern. Obstbäume und Sträucher machen ja eh alles allein.

Jedes Jahr auf´s Neue nehme ich mir vor, dass ich meine ganze Ernte wiege, um mal zu schauen, was da so zusammen kommt. Das größte Problem dabei ist, dass es mindestens die Hälfte nicht mal bis zum Wasserhahn schafft, geschweige denn bis zur Waage.

Ich kann nur in Gläsern oder Mahlzeiten rechnen, denn meine 4 Apfelbäume, ein Birnenbaum, eine Quitte tragen schon prächtig, weitere 3 Pfirsiche, 3 Pflaumen und ein Apfel wachsen vor sich hin.

Das Gemüse und weitere Ernte werden immer zur Verpflegung meiner Kunden in meinen Weiterbildungen und Workshops genutzt, von den Obstmuffins bis zur Kürbissuppe im Herbst ist da alles dabei.

80 % der Dinge, die in meinem Garten verpflanzt oder verbaut werden, sind Dinge, die von anderen weggeschmissen oder nicht mehr gebraucht werden. Mein Insektenhotel ist mit Reststoffen/Müll aus meinem Garten und den Steinen von meinem Nachbarn gebaut. Es sieht super aus und die Insekten und Vögel lieben es.

Meine Gartenbänke sind vom Schrott und verwittert gewesen, etwas anschleifen, etwas Lack, boom toller neuer Look und mindestens noch 10 Jahre Lebenszeit raus geholt.

 

Mein Fazit:

Durch meinen Garten hat sich mein ganzes Denken und Handeln geändert. Genau das ist es auch, was die Transaktionsanalyse anstrebt, sein eigenes Denken, Handeln und Fühlen kontinuierlich zu hinterfragen und dadurch alte und nicht mehr nötige Verhaltensmuster hinter sich zu lassen und neue Entscheidungen für sich zu treffen.

Dabei spielt auch die Felderfassungskompetenz eine wichtige Rolle, die ich bei all meinen Projekten und Umsetzungsideen in meinem Garten schulen konnte. Nun bin ich in dem System Garten schon so fit und professionell, dass ich viele Dinge gar nicht mehr erfassen muss, sondern sie schon weiß und somit eine Feldkompetenz im Bereich Gartenarbeit erlangt und erlernt habe.

 

Was hat sich also bei mir verändert?

  1. Ich kaufe Aufstriche nur noch im Glas, denn die Gläser sind mein Rohstoff für mein selbst Eingekochtes.
  2. Alles was an Essenabfällen anfällt landet auf dem Kompost und wird in ein bis drei Jahren zu Erde.
  3. Ich tausche ständig Essen mit anderen Gärtnern und muss daher viel weniger einkaufen gehen.
  4. Ich rette Pflanzen, die von Discountern weggeschmissen werden, in meinem Garten bekommen sie eine zweite Chance, vermehren sich, sähen sich aus, Stauden werden größer und können geteilt werden, für andere Gärten.
  5. Ich habe mir ein unglaublich tolles Gartennetzwerk in den letzten 4 Jahren aufgebaut, ständig bekomme ich Pflanzen und Ernte geschenkt. Gärtner sind geberfreudig und stolz wie Bolle, auf alles was wächst.
  6. Mein soziales Leben hat mehr Vielfalt bekommen („Enjoying participation“) denn ich werde ständig zum Grillen, Kaffee und Kuchen oder „wir probieren was aus“ Arbeitseinsätzen mit köstlichem Bier eingeladen. Ich kenne jetzt auch Imker und habe regionalen Honig ohne Ende.
  7. Ich habe eine Ruheoase mit Rehen, Fasanen, viel Schatten unter Bäumen, meinem eigenen Insektenhotel, Zauneidechsen, Ringelnattern, Molchen, Fröschen, Kröten und 6 Libellenarten. Mit meinem Garten brauche ich keinen Urlaub, den habe ich jeden Tag auf Abruf.
  8. Ich habe viel Neues gelernt („activating leadership“). Alles selbst zu bauen und auch anzulegen und zu pflegen gibt nicht nur mir das unbeschreibliche Gefühl der absoluten Kompetenz. Ich habe auch schon zwei Freunde dazu inspiriert sich selbst einen Garten zu pachten und zu bewirtschaften.
  9. Ich habe die Wahrnehmung, dass mich mein Garten kreativer und lösungsorientierter macht.
  10. Ich habe sehr viel mehr Geduld gelernt. Frei nach dem Motto: „Gut Ding will Weile haben!“ Wie in den Prozessen, die ich in meiner Arbeit begleite, braucht auch jede Pflanze und jeder Boden Zeit. Sich zurücklehnen und ein Grundvertrauen in den Prozess und den Garten zu haben, war nicht immer meine Stärke. Im fünften Gartenjahr kann ich das schon richtig gut.

Wer keinen Garten möchte, der kann auch gerne mit einer Fensterbank beginnen. Tomaten, Kapuzinerkresse und Kräuter gehen überall.

Wer Interesse an einem Garten hat, dem gebe ich den Tipp erstmal bei Freunden zu beginnen und sich da ein Gefühl für den Arbeitsaufwand zu holen, so habe ich es auch gemacht, im Jahr 2015 startete ich in einer Gartengemeinschaft.

Designed & Developed by ThemeXpert